Via Claudia Augusta: Nachlese

Nun ist fast eine Woche vergangen, seit ich meine Radtour beendet habe. Insgesamt habe ich an den fünf Tagen der Tour mehr als 500 Kilometer und über 3.100 Höhenmeter zurückgelegt. Rekorde habe ich dabei bestimmt keine aufgestellt, aber auch so war ich oft genug damit beschäftigt, meinem Körper noch die restlichen Kilometer einer Tagesetappe abzuringen. Nun entspanne ich seit knapp einer Woche am herrlich sommerlichen Gardasee. "Übel genommen" hat mir mein Körper die Tour nicht - na ja, mein Sitzfleisch vielleicht. Aber Muskelkater? Gott sei Dank Fehlanzeige. Auch die ersten Läufe waren bereits wieder drin und... ähm... ja... ein klitzekleines Koppeltraining bestehend aus 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen. Körperlich ist also alles 1A in Ordnung. Aber ein paar Fragen wollte ich im Anschluss an die Tour doch gern noch beantworten.

Warum "allein"? Wenn ich Leuten im Vorfeld der Tour von meinem Vorhaben erzählt habe, kam (meist) postwendend die Frage: "Wie??? Du machst das allein? Hast Du keine Angst?" Die Distanz, die körperlichen Anforderungen - all das schien immer (meistens) dem Aspekt des Allein-Reisens untergeordnet zu sein. Nun werde ich mir kein Urteil darüber anmaßen, ob es sich besser allein, zu zweit oder in der Gruppe reist - das muss jeder für sich selbst entscheiden. Tatsächlich waren die meisten Menschen, die ich unterwegs getroffen habe, zu zweit oder in der Gruppe unterwegs. Ich selbst bin aber ein Mensch, der sehr gut allein sein kann - und auch gern mal allein ist. Schon immer habe ich die ausgedehnten Ruhepausen beim Schwimmen und Joggen genossen - Zeit, in der ich meine Gedanken einfach mal schweifen lassen kann und in der ich nicht unbedingt einen Ansprechpartner brauche. So gesehen waren die Etappen der Tour für mich einfach auch "Ruhepausen". Darüber hinaus bietet mir das Allein-Unterwegs-Sein aber noch einen ganz anderen Vorteil: Man kommt unglaublich schnell mit anderen Menschen in Kontakt, vielleicht weil man eben nicht die meiste Zeit auf einen festen (Reise)Partner oder den Rest der Gruppe fokusiert ist. Auch diese Tour hat mir in  dieser Hinsicht tolle Erlebnisse und Kontakte beschert und mich auf eine ganz eigene Art und Weise bereichert. Und schließlich: Nein, Angst hat ich zu keiner Zeit. Die Via Claudia Augusta folgt immer schön den Wegen der Zivilisation - im worst case wäre Hilfe maximal ein Dorf entfernt gewesen.

Was kostet eigentlich so eine Tour? Das kommt sicher darauf an, wie komfortabel man reisen möchte! Die billigste Variante ist sicherlich, einfach Zelt, Schlafsack und Isomatte mitzunehmen. Das bietet auch eine gewisse Flexibilität, was die Tagesetappen betrifft. Wenn ich von mir ausgehe, war ich unterwegs jeweils sehr (SEHR!) froh, an den einzelnen Tagen ein festes Dach über dem Kopf und ein Bett unter meinem geschundenen Hintern zu haben! Auch die Möglichkeit, zu duschen und/oder die Kleidung zu waschen oder gar gewaschen zu bekommen, war jeden Tag ein Anreiz, auch noch die letzten Kilometer zu stemmen. Dabei habe ich allerdings schon darauf geachtet, dass die einzelnen Unterkünfte nicht zu sehr zu Buche schlagen. Im Schnitt habe ich pro Übernachtung 35,00 EUR bezahlt - in fast allen Fällen MIT Frühstück (auch wichtig, um gut gestärkt in die nächste Etappe starten zu können). Allerdings habe ich meine Unterkünfte weit im Vorraus reserviert; eine Praxis, von der die meisten Radreiseführer abraten (weil sie eben weniger Flexibilität bietet), die aber ziemlich sicher günstiger ist, als das erstbeste Hotel vor Ort aufzusuchen, sobald die Beine schlapp machen. 


Dazu kommt dann natürlich, was man pro Tag noch zusätzlich verbraucht - Kaffee, Essen, Souvenirs. Mir haben ca. 15 EUR pro Tag gut ausgereicht, aber auch da wird es nicht "den" Betrag geben. Falls man sich also gegen die Zeltvariante und für ein Minimum an Bequemlichkeit entscheidet, ist man gut beraten, pro Reisetag 50 EUR (Übernachtung und Verpflegung) einzuplanen. Mindestens. Dafür fallen dann aber wenigsten Sprit- oder Flugkosten weg.


Hat sich das Ultraleicht-Prinzip unterwegs bewährt? Total!!! Ich kann mit Stolz behaupten, dass ich so ziemlich alles, was ich mitgenommen habe, letztendlich auch benötigt habe. Das lag aber eventuell auch am sehr durchwachsenen Wetter. Wobei - auch darauf sollte man eben gefasst sein. Viel mehr als die Überlegung, auf was ich beim nächsten Trip noch verzichten könnte, beschäftigt mich, was noch ergänzt werden sollte. Drei Sachen müssen das nächste Mal unbedingt noch mit:

1. Eine sogenannte base layer aus Merinowolle (bestehend aus einem langärmeligen Shirt und langen Unterhosen). Funktionskleidung aus Merinowolle ist für mich die Entdeckung der letzten Wochen: Trägt sich super angenehm, wärmt oder kühlt nach Bedarf, leitet Feuchtigkeit ab und... tataaa... müffelt einfach nicht. Auch ungewaschen. Auslüften. Fertig. Tolle Sache.

2. Eine Wäscheleine und Wäscheklammern. Falls man in einer Pension doch mal die Sachen selbst per Hand durchwaschen muss, finden sich (je nach Zimmer) oft wenig sinnvolle Plätze, um die Wäsche zum Trocknen aufzuhängen, habe ich festgesellt. Dem kann man aber ganz einfach Abhilfe schaffen, indem man eine kurze Wäscheleine und ein paar Klammer einpackt. Ultraleicht, versteht sich.

3. Last but not least: Ein kleiner faltbarer Rucksack oder eine kleine faltbare Tasche, zusätzlich zum (Wander)Rucksack. Gibt es als Ultraleicht-Modelle zum Beispiel für kleines Geld bei Decathlon. Hielt ich für überflüssig. Aber spätestens wenn man in einer Stadt unterwegs ist und Handy, Geldbeutel usw. mitführen möchte, ist das einfach nur praktisch.

Mit diesen Gedanken klappe ich mein (virtuelles) Reisetagebuch etwas wehmütig zu. Ich habe mich total über das viele tolle Feedback gefreut!!! Meine tan lines am Bein werden mich wohl noch den ganzen Sommer über an diese großartige Reise erinnern. Und spätestens am Ende des Sommers lockt die nächste Tour. Ohne Rad. Allein. Aber mehr verrate ich noch nicht.