"Stäbchen rein, Spender sein"

Es ist schon seltsam: Während mir das Niederschreiben meiner sämtlichen sportlichen Aktivitäten für den Blog bislang völlig mühelos von der Hand ging, finde ich es tatsächlich schwierig, bei diesem Thema einen Einstieg zu finden. In den letzten Wochen war ich überhaupt sehr hin- und hergerissen, ob ich diese Geschichte öffentlich teilen soll oder nicht, zumal ich der Meinung bin, dass im Netz bereits genügend derartige Berichte kursieren. Die Reaktionen in meinem Umfeld waren jedoch bisher so positiv, und die Wünsche nach einem Blogbeitrag wurden so laut, dass ich mich nun doch entschlossen habe, über meine Stammzellenspende zu schreiben. Im Grunde genommen betrifft diese ganze Sache jedoch genau zwei Personen: Meinen "genetischen Zwilling" und mich.

 

Alles begann im Frühjahr dieses Jahres mit einer großangelegten Typisierungsaktion der DKMS an unserer Schule, die ein Kollege, der ebenfalls bereits Stammzellen gespendet hatte, organisiert hatte. Um auf das Thema aufmerksam zu machen, und natürlich um neue potentielle Spender für die Datenbank der DKMS zu gewinnen, war unsere Oberstufe dazu aufgefordert, sich zunächst im Rahmen eines Vortrags über das Thema zu informieren und sich anschließend – sofern gewünscht – durch die Entnahme von Zellen über die Mundschleimhaut als möglicher Spender bei der DKMS registrieren zu lassen.

 

Bis zu diesem Tag hatte ich mir über das Thema "Stammzellenspende" noch keinerlei Gedanken gemacht. Klar, ab und zu war ich in den Medien auf die Aufrufe zur Typisierung gestoßen, und auch der eingängige Slogan "Stäbchen rein, Spender sein" war mir vertraut. Was es denn aber tatsächlich mit einer solchen Spende auf sich hat, wie diese abläuft und warum man damit Menschenleben retten kann – davon hatte ich überhaupt keine Ahnung. Ich beschloss also, mir den Vortrag aus Interesse einfach mal anzuhören. Ist ja sowieso nie schlecht, wenn LehrerInnen mit gutem Beispiel vorangehen. Die Inhalte des Vortrags, das WARUM und das WIE möchte ich hier nicht zusammenfassen, man erhält alle Informationen sehr verständlich zusammengefasst auf der Website der DKMS(Dort gibt es auch drei sehr gute Videos, die ich am Ende dieses Blogbeitrages auch noch einmal verlinkt habe.)

 

Die Aktion an unserer Schule war ein voller Erfolg – über 100 junge Menschen haben sich an diesem Tag als Spender bei der DKMS registrieren lassen! Vor dem Zimmer, in dem die notwendigen Wangenabstriche für die Typisierung entnommen wurden, bildete sich schnell eine lange Schlange. Das lange Anstehen fand' ich dann doch irgendwie mühsam – aber endlich informiert und sehr begeistert von Sinn und Zweck einer solchen Spende forderte ich noch am selben Abend das Registrierungsset für den "Hausgebrauch" an, welches nur wenige Tage später in meinem Briefkasten lag. Der Rest war schnell erledigt: Wangenabstrich machen, alle beiliegenden Papiere ausfüllen und dann das Ganze per Post wieder zurück an die DKMS schicken – alles in allem eine Sache von Minuten. So schnell wie die Registrierung über die Bühne ging, so schnell hatte ich die ganze Sache aber auch wieder vergessen.

 

Bis mitten in den Sommerferien plötzlich das Telefon klingelte und ich die Information erhielt, dass ich als mögliche Spenderin in Frage käme. Das damit verbundene Gefühl war wirklich, ich hätte es nicht für möglich gehalten, ganz großartig: Irgendwo da draußen braucht ein Mensch Hilfe, und dieser Mensch gleicht mir! Dann ging alles ganz schnell. Weil wir kurz davor waren, in unseren verdienten Familienurlaub aufzubrechen, bekam ich noch für den nächsten Tag einen Termin bei meinem Hausarzt, wo mir ein paar Röhrchen Blut entnommen wurden, damit weitere Gewebemerkmale abgeglichen werden konnten. Nur knapp zwei Wochen später erhielt ich "grünes Licht" von der DKMS, dass ich tatsächlich der geeignete Spender sei. Ganz ehrlich – ich war darüber einfach nur glücklich, und ich glaube, seitdem ist kein Tag vergangen, an dem ich meinem genetischen Zwilling nicht eine Ladung positive Energie geschickt und an ihn (oder sie?) gedacht habe!

 

Die letzte Hürde vor der Freigabe als Spenderin war ein Gesundheitscheck in einem nahen Entnahmezentrum. Ich wurde buchstäblich auf "Herz und Nieren" durchgecheckt. Nun habe ich nicht nur die Ehre, meine Stammzellen herzugeben, sondern auch alle medizinischen Werte sind mal wieder auf dem aktuellen Stand. Während der gesamten Zeit wurde ich von der DKMS wunderbar begleitet – kein Schritt blieb dem Zufall überlassen, ich wurde wirklich bis ins Detail über alle Abläufe und auch über mögliche Risiken aufgeklärt. Auch alle Absprachen mit meinem Arbeitgeber (die Voruntersuchung und die Spende nehmen dann halt doch ein paar Tage in Anspruch) waren unkompliziert; hier durfte ich viel Unterstützung für die Sache der DKMS erfahren.

 

Nun steht es seit ein paar Wochen endgültig fest: Ich bin "pumperlgesund" und damit als Spenderin freigegeben. In den nächsten Tagen findet die Stammzellenspende in Form einer peripheren Stammzellenspende statt, d.h., die Stammzellen werden über das Blut entnommen. Bis dahin spritze ich mir brav ein Medikament, welches die Bildung der weißen Blutkörperchen anregt. Zugegeben – es gibt bestimmt Prickelnderes im Leben, aber dem Sommerspeck sei Dank hat mich das Spritzen keine große Überwindung gekostet, und auch die Nebenwirkungen halten sich einigermaßen in Grenzen. Und überhaupt: Es ist ein kleiner Preis, um ein Menschenleben zu retten!

 

Wenn Dir dieser Bericht Mut gemacht hat, Dich selbst als Spender registrieren zu lassen: Die DKMS freut sich über jede Anmeldung, denn obwohl die Datenbank erfreulicherweise stetig wächst, kann für jeden siebten an Blutkrebs erkrankten Patienten noch immer kein passender Spender gefunden werden. Also los: Stäbchen rein, Spender sein! Hier kannst Du Spender werden!


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